Was passiert in der Ernährungsberatung?

Viele haben ein ziemlich klares Bild davon, was mein Job als Diätologin ist – nur stimmt dieses Bild in den meisten Fällen nicht ganz.

Zeit also, ein bisschen Klarheit zu schaffen.

Was viele glauben, was ich tue:

Viele Menschen verbinden Ernährungsberatung mit Verboten, strengen Regeln und fixen Plänen.

Typische Vorstellungen sind zum Beispiel:

Ich händige Verbotslisten aus

Verbotslisten gebe ich eigentlich so gut wie nie aus – zumindest nicht im klassischen Sinn. Was meine ich damit?

Bei Unverträglichkeiten oder dem Verdacht darauf sowie bei bestimmten Magen-Darm-Beschwerden oder Erkrankungen kann es durchaus sinnvoll sein, Orientierung zu geben. In solchen Fällen arbeite ich zum Beispiel mit Listen von Lebensmitteln, die erfahrungsgemäß besser oder schlechter verträglich sind.

Bei Unverträglichkeiten wie Histaminintoleranz, Fruktose- oder Laktoseintoleranz kann es vorkommen, dass bestimmte Lebensmittel für einen begrenzten Zeitraum (meist 2–3 Wochen) reduziert oder vorübergehend gemieden werden.

Das Ziel ist jedoch nicht, diese dauerhaft zu streichen – im Gegenteil: Anschließend werden die Lebensmittel schrittweise wieder in den Speiseplan integriert, um die individuelle Verträglichkeit herauszufinden.

Ich schreibe strikte Ernährungspläne

Wenn gewünscht oder erforderlich, gebe ich manchmal Mengenempfehlungen an. Diese dienen jedoch als Richtwerte und müssen nicht strikt eingehalten werden.

Auch Rezepte stelle ich gerne zur Verfügung – sie können als Inspiration dienen und individuell in einen persönlichen Wochenplan integriert werden.

Ich streiche in Essprotokollen „schlechte“ Lebensmittel rot an

Ich sehe das so: Es gibt keine pauschal „schlechten“ oder „ungesunden“ Lebensmittel.

Wenn du mit Genuss ins Restaurant gehst und das bestellst, worauf du Lust hast, auch wenn es nicht perfekt ausgewogen ist, dann ist das ein gesundes Essverhalten.

Wenn du Schokolade isst und danach kein schlechtes Gewissen hast, ist auch das ein gesundes Essverhalten. Das wird bei mir ganz sicher nicht „rot angestrichen“.

Wenn du dich jedoch häufig im Heißhunger mit Süßigkeiten etc. überisst, dann schauen wir gemeinsam hin und gehen der Ursache auf den Grund. Ich mache dir dabei keine Vorwürfe und werde dir auch nicht sagen, wie „schlecht“ Schokolade ist – denn so einfach ist es nicht.

Ich nehme den Spaß am Essen

Im Gegenteil. Essen muss auch schmecken und Genuss sein. Das wäre ja sehr schade, wenn das nicht der Fall ist.

Ich kritisiere Essverhalten

Stattdessen schauen wir gemeinsam hin und versuchen zu verstehen, warum es zu bestimmten Situationen oder Verhaltensweisen gekommen ist. Darauf aufbauend entwickeln wir Wege, wie ein anderer oft hilfreicherer Umgang damit möglich wird.

Ich spreche ausschließlich über Ernährung

Das wäre nicht zielführend. In deinem Leben soll schließlich noch vieles andere Platz haben: Familie, Freunde, Beruf, Hobbys …

All das wird in meine Beratung mit einbezogen.

Was ich wirklich tue, kurz nochmals auf den Punkt gebracht:

Ich höre zu und nehme Anliegen ernst

Ich helfe dabei, den individuellen Speiseplan zu erweitern statt einzuschränken

Ich analysiere Essprotokolle, um Muster zu erkennen – nicht um zu bewerten

Gemeinsam entwickeln wir Strategien für nachhaltige Veränderungen

Ich beziehe den gesamten Alltag mit ein (Stress, Routinen, Umfeld, Gewohnheiten)

Genuss bekommt einen festen Platz – Essen soll nicht nur „gesund“ sein sondern auch Freude machen.

Jeder Mensch bringt andere Voraussetzungen, Ziele und Herausforderungen mit. Genau deshalb gibt es bei mir keine Standardlösungen und es geht oft um viel mehr als nur Lebensmittel.

Und dann wären da noch die Ernährungsmythen …

Ein großer Teil meiner Arbeit besteht tatsächlich darin, mit Halbwissen und Mythen aufzuräumen.

Ob „Kohlenhydrate am Abend machen dick“, „Zucker ist grundsätzlich schlecht“ oder „es gibt die eine perfekte Ernährungsform“ – solche Aussagen begegnen mir täglich.

Und ja… gefühlt verbringe ich wirklich sehr viel Zeit damit, diese Mythen aufzuklären 😅

Fazit

Als Diätologin arbeite ich nicht mit Verboten, sondern mit Verständnis, Wissen und individuellen Lösungen.

Mein Ziel ist es nicht, Ernährung komplizierter zu machen – sondern alltagstauglich, entspannt und nachhaltig.

Und genau deshalb wird es in meinem Job auch nie langweilig.

Danke, dass du bis hierher gelesen hast. 😊


Liebe Grüße
Julia


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