Einsatz von GLP-1-Analoga („Abnehmspritze“)

Meine Beratungserfahrungen und die Daten & Fakten

Der Einsatz von GLP-1-Analoga oder umgangssprachlich der „Abnehmspritze“ ist mittlerweile weit verbreitet und ziemlich jede:r hat schon mal davon gehört.

Da in meinem letzten Angestelltenverhältnis der Großteil meiner Patient:innen GLP-1-Analoga verwendeten, durfte ich schon viele Erfahrungen mit dem Einsatz sammeln. Mittlerweile ist auch die wissenschaftliche Datenlage recht umfangreich. Meine Erfahrungen sowie die Daten und Fakten möchte ich in diesem Artikel darstellen.

Die aktuelle Datenlage

Wie stark wirken die einzelnen Präparate wirklich und was passiert, wenn man sie wieder absetzt? Klinische Studien zeigen hierzu ein sehr klares Bild:

WirkstoffDurchschnittliche GewichtsreduktionPlateau & Verlauf
Liraglutid (3,0 mg/Tag)8 – 10 % des KörpergewichtsPlateau nach ca. 20 Wochen
Semaglutid (2,4 mg/Woche)15 – 17 % des KörpergewichtsPlateau nach ca. 68 Wochen
Tirzepatid / Retatrutidbis zu 25 % des KörpergewichtsHöchste bisher gemessene Effekte

Studien zeigen auch, dass die Kombination der Medikamente mit intensiven Lebensstilinterventionen zu höheren Gewichtsverlusten führt.

Was passiert nach dem Absetzen?

So beeindruckend diese Zahlen klingen: Die Wirkung hält nur so lange an, wie das Medikament genommen wird. Nach dem Absetzen kommt es bei den Betroffenen zu einer deutlichen Gewichtszunahme – sie nehmen im Schnitt 60 bis 163 % des zuvor verlorenen Gewichts wieder zu, wenn keine dauerhaften Lebensstiländerungen verankert wurden.

Wie wirkt das Medikament im Körper?

GLP-1-Analoga ahmen ein körpereigenes Darmhormon (GLP-1) nach. Während unser natürliches Hormon nach dem Essen sehr schnell wieder abgebaut wird, wirken die synthetischen Medikamente deutlich länger. Sie greifen an verschiedenen Stellen im Körper ein:

  • Dämpfung des Hungers
  • Schnellere und länger anhaltende Sättigung
  • Verlangsamte Magenentleerung: Speisebrei verbleibt länger im Magen. Das verlängert zwar das Sättigungsgefühl, führt aber häufig auch zu Beschwerden wie Übelkeit oder Sodbrennen.
  • Blutzucker-Regulierung: Die Bauchspeicheldrüse schüttet bedarfsgerecht Insulin aus, während die Zuckerfreisetzung aus der Leber gehemmt wird.

Das Resultat? Man nimmt insgesamt spürbar weniger Kalorien zu sich – die tägliche Nahrungs- und Energieaufnahme sinkt um bis zu 16 bis 40 %. Und genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung.

Meine Erkenntnisse & Erfahrungen aus der Beratungspraxis

In der Theorie klingt das simpel: Weniger Appetit = weniger Essen = Gewichtsverlust. In der Praxis beobachte ich in meiner Beratung jedoch ganz spezifische Dynamiken, über die wenig gesprochen wird:

1. Weniger Erfolg bei vorangegangenen sehr restriktiven Diäten mit viel zu niedriger Kilokalorienzufuhr

Personen, die vor der Spritze bereits extrem wenig gegessen haben oder jahrelang von einer restriktiven Diät in die nächste gerutscht sind, erzielen mit der „Abnehmspritze“ oft überraschend schlechte Ergebnisse. Ihr Grundumsatz ist durch die metabolische Anpassung bereits stark herabgesetzt. Die Spritze kann ein ohnehin schon tiefgreifend gedrosseltes System nicht einfach magisch wieder ankurbeln.

2. Die Illusion des „einfachen Auswegs“

Einfach nur die Spritze zu nutzen, ohne die eigenen Gewohnheiten anzupacken, funktioniert nicht nachhaltig. Es erfordert aktives Handeln: Die Ernährung muss gezielt umgestellt werden (sofern diese zuvor nicht passend war), Bewegung muss etabliert werden und auch am psychischen Wohlbefinden sollte gearbeitet werden.

Um ehrlich zu sein, habe ich jedoch oft den Eindruck, dass genau diese Einstellung („das ist ja nur der einfache Ausweg“) eher von Personen vertreten wird, die das Medikament selbst gar nicht nutzen.

Meine Erfahrung zeigt: Menschen, die die Abnehmspritze tatsächlich einsetzen, sind sich meist sehr wohl bewusst, dass es auch deutliche Veränderungen abseits der Spritze braucht.

3. Der Rebound nach dem Absetzen

Die oben genannten Studiendaten spiegeln sich 1:1 in der Beratung wider: Wird das Medikament abgesetzt, steigt das Gewicht bei den allermeisten Menschen wieder an – teils sehr rasch. Wer während der Anwendung kein neues, nachhaltiges Ess- und Bewegungsverhalten erlernt hat, steht danach wieder am Anfang

4. Die „Abnehmspritze“ kann durchaus eine tolle Möglichkeit für einige sein

Personen, die ein besonders hohes Körpergewicht haben und auch medizinische Nachteile aufgrund des Körpergewichtes spüren, können durch die GLP-1-Analoga wirklich viel Lebensqualität gewinnen. Das gilt auch für Personen, die sehr viel mit „Food Noise“ zu kämpfen haben – diese Gedanken werden durch das Medikament weniger. Mit „Food Noise“ meint man das ständige Gedankenkarussell ums Essen.“

Gewichtsneutral arbeiten & GLP-1-Analoga – für mich kein Widerspruch

Als Diätologin arbeite ich gewichtsneutral: Gesundheit misst sich für mich in beispielsweise Lebensqualität, Wohlbefinden und Nährstoffversorgung – nicht in Kilogramm. Diese Haltung bedeutet für mich auch, Entscheidungen für den eigenen Körper wertfrei zu begleiten. Die Begleitung bei einer Therapie mit GLP-1-Analoga fokussiert sich daher nicht auf das reine Zählen von Gramm oder Kilos, sondern darauf, deinen Körper bestmöglich zu versorgen, deine Muskeln zu schützen und eine langfristig unbeschwerte Beziehung zum Essen zu fördern.

Risiken: Muskelverlust & Nährstoffmangel

Weil der Appetit unter GLP-1-Analoga oft drastisch einbricht, essen viele Betroffene schlichtweg viel zu wenig. Das birgt zwei große Gefahren:

Muskelabbau statt Fettverbrennung

Klinische Daten zeigen, dass bei einer unbetreuten, starken Gewichtsabnahme unter GLP-1-Analoga bis zu 40 % des Gewichtsverlusts auf Kosten der Muskelmasse (fettfreie Masse) gehen können. Wenn wir Muskeln verlieren, sinkt unser Grundumsatz weiter – der Jojo-Effekt nach dem Absetzen ist damit quasi vorprogrammiert.

Worauf es dann ankommt:

  • Protein-Priorität: Eine tägliche Eiweißzufuhr von ca. 1,0 bis 1,5 g pro kg Zielgewicht pro Tag ist entscheidend, um die Muskulatur zu schützen.
  • Krafttraining: Nur in Kombination mit gezielter Bewegung bleibt die Muskelmasse erhalten.

Nährstoffmängel

Wer sehr kleine Mengen isst (oft unter 1.200-1.500 kcal), schafft es über die normale Nahrung kaum noch, den Bedarf an essenziellen Mikronährstoffen zu decken. Untersuchungen weisen darauf hin, dass es unter der Therapie häufig zu Mängeln an Eisen, Kalzium, Magnesium, Kalium sowie den Vitaminen A, C und E kommt. Zudem trinken viele Betroffene zu wenig, da auch das Durstgefühl nachlassen kann.

Wie eine geeignete Begleitung unter GLP-1-Analoga aussieht

Damit die medikamentöse Therapie gesund, sicher und langfristig erfolgreich ist, braucht es ein durchdachtes Konzept:

  1. Gezielte Ernährungstherapie: Nährstoffversorgung trotz kleinerer Portionen sichern (z. B. Proteinoptimierung zum Muskelerhalt, sinnvolle Mahlzeitenstruktur und bedarfsgerechte Zusammenstellung).
  2. Bewegung & Krafttraining: Regelmäßiges Training ist unverzichtbar, um die Muskelmasse gezielt zu schützen und den Stoffwechsel aktiv zu halten.
  3. Stressmanagement & mentale Gesundheit: Auch am Umgang mit Stress und dem Aufbau von Routinen, die stärken, sollte gearbeitet werden.
  4. Engmaschige ärztliche Begleitung: Regelmäßige Check-ups (z. B. Blutwerte, Verlaufskontrollen oder eine evtl. Dosisanpassung bei Nebenwirkungen) sichern den Therapieerfolg medizinisch ab.

Mein Fazit

GLP-1-Analoga können für einige Personen eine gute Ergänzung und Hilfe sein. Man sollte sich jedoch im Klaren sein, dass es auch Verhaltensänderung braucht und, dass eine Gewichtszunahme nach dem Absetzen sehr häufig ist.

Melde dich gerne bei mir für eine ernährungstherapeutische Begleitung bei GLP-1-Analoga. Ich freue mich auf deine Anfrage.

Liebe Grüße, Julia

Quellen:

Kerlikowsky, F., Krämer, K., Eggersdorfer, M., & Hahn, A. (2025). Einfluss von GLP-1-Analoga auf die Mikronährstoffversorgung. Ernährung & Medizin, 40, 167–172. Thieme Verlag.

Foto von Haberdoedas auf Unsplash


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